Nachdenkliches: ---------------------------------------------------------------------------------------------------------------
Mani Matter, 1936-1972 - Mani Matter (Foto: Walter Studer)
| GLOCKEN |
TRADITION |
AMT UND WÜRDE |
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| glocken läuten |
was unsre |
wenn die |
| glocken schlagen |
väter schufen |
in amt und würden |
| leuten |
war |
die würden dem amt |
| schlaf aus dem kopfe |
da sie es schufen . |
nicht vorziehen würden |
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neu |
sie würden der würde |
| glocken locken |
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des amtes |
| zur kirche |
bleiben wir später . |
würdiger amten |
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den vätern |
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| (was aber glocken |
treu |
WER GLAUBT |
| weniger glückt) |
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schaffen wir neu |
wer glaubt er wisse |
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muss wissen er glaubt |
| > M. Matter, Rumpelbuch, 1971 |
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Gedanken:
a) Wir brauchen andere, die es bejahen, das, was wir schon lange wissen, jedoch nicht zu bejahen wagen, die uns darin bestärken; deshalb lesen wir Bücher, hören Musik und schauen die Wekre der bildenden Kunst an; - damit wir sicher werden, dass wir recht haben (nicht, um vollig Neues zu lernen)!
b) Die Hunde bellen; die Karawane schreitet weiter. - Vielleicht ist es doch besser, zu den Hunden zu gehören; sie haben wenigstens noch gebellt.
c) "Was wollt ihr?" fragte der Parlamentarier die Bürger, die ihn gewählt hatten und mit ihm unzufrieden waren. "Was wollt ihr? Sagt es. Ich will es gerne vertreten."
"Dass du uns das nicht fragst", sagten die Bürger.
"Aber wie kann ich denn wissen, dass ihr nicht wieder unzufrieden seid?"
"Das soll dich nicht kümmern!" sagten die Bürger.
"Mich nicht kümmern? Bin ich denn nicht euer Vertreter?"
"Doch; aber das will nur sagen: Wir haben dich gewählt. Es heisst nicht: Du sollst dein Amt nicht selbst ausüben."
"Was versteht ihr den darunter: mein Amt selbst ausüben?"
"Dich nicht hinter unserem Willen verstecken", erwiderten die Bürger. "Die Verwantwortung übernehmen!"
"Und wenn ihr nicht einverstanden seid?" fragte der Parlamentarier.
"Dann wählen wir dich nicht mehr"
"Das wäre schlimm!"
"Nein", sagten die Bürger; "schlimm ist, dass du das schlimm findest."
Der Parlamentarier schwieg verwirrt.
"Was glaubst du", sagten die Bürger, "übst du dein Amnt aus, damit wir dich zu ihm wählen, oder wählen wir dich, damit du es ausübst?"
Der Parlamentarier entfernte sich kopfschüttelnd ...
> Mani Matter, Sudelhefte, Rumpelbuch, 1979
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Kurt Marti, Theologe und Schriftsteller, * 1921
Texte aus: Leichenreden 2001:
Plädoyer zum Leben
als sie mit zwanzig ein kind erwartete wurde ihr heirat befohlen als sie geheiratet hatte wurde ihr verzicht auf alle studienpläne befohlen als sie mit dreißig noch unternehmungslust zeigte wurde ihr dienst im hause befohlen als sie mit vierzig noch einmal zu leben versuchte wurde ihr anstand und tugend befohlen als sie mit fünfzig verbraucht und enttäuscht war zog ihr mann zu einer jüngeren frau liebe gemeinde wir befehlen zu viel wir gehorchen zu viel wir leben zu wenig
Zum Tod
dem herrn unserem gott
hat es ganz und gar nicht gefallen daß gustav e. lips durch einen verkehrsunfall starb
erstens war er zu jung zweitens seiner frau ein zärtlicher mann drittens zwei kindern ein lustiger vater viertens den freunden ein guter freund fünftens erfüllt von vielen ideen
was soll jetzt ohne ihn werden? was ist seine frau ohne ihn? wer spielt mit den kindern? wer ersetzt einen freund? wer hat die neuen ideen?
dem herrn unserem gott hat es ganz und gar nicht gefallen daß einige von euch dachten es habe ihm solches gefallen
im namen dessen der tote erweckte im namen des toten der auferstand:
wir protestieren gegen den tod von gustav e. lips
was kommt nach dem tod? nach dem tod kommen die rechnungen für sarg begräbnis und grab
was kommt nach dem tod? nach dem tod kommen die wohnungssucher und fragen ob die wohnung erhältlich
was kommt nach dem tod? nach dem tod kommen die grabsteingeschäfte und bewerben sich um den auftrag
was kommt nach dem tod? nach dem tod kommt die lebensversicherung und zahlt die versicherungssumme
was kommt nach dem tod?
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